Es passiert dir nichts…

Eine Angststörung hat eigentlich gar nichts mit bewusster Angst zu tun. Denn auch reichlich unängst  liche Menschen bekommen eine Angst- und Panik  störung. Angststörungen sind eher als vegetative Fehlregulationen anzusehen. Und gegen eine Fehl  regulation des vegetativen Nervensystems, die aufgrund vieler psychischer Faktoren entsteht, hilft alleine der Gedanke „gesund zu sein und nichts Schlimmes zu haben“ nicht.

Zwar kann andauernder Stress oder Streit und eine ständige Erregung das Nervensystem empfindlicher machen, so dass man schneller auf Alltagssituationen reagiert. Aber grundsätzlich spielt bei der Entstehung von Angststörungen das Unterbewusstsein eine größere Rolle. Es speichert „schlimme“ und vermeint  lich schlimme Situationen und will uns oft mit allerlei bizarren und skurrilen Strategien davor beschützen, dass wir noch einmal eine solche schlimme Situation erleben.

Nehmen wir an, Sie würden eines Nachts durch ein Geräusch erwachen, in die Küche gehen und einem Einbrecher gegenüberstehen. Dann könnte es sein, dass Sie zukünftig gar nicht mehr schlafen können, weil ihr Unterbewusstsein generalisiert hat, dass im Schlaf immer eine relative Gefahr droht. So wie wir lernen, unbewusst an der roten Ampel stehen zu bleiben, so generalisieren wir auch sehr schnell falsche Reaktionen auf vermeintliche Gefahren. Daraus entstehen im Laufe der Zeit unangemessene Anpassungsreaktionen, die die nachfolgenden Panikreaktionen begünstigen.

Es gibt keine Agoraphobie ohne ein bedeutendes Trauma als Auslöser. Wie bedeutend ein solches Trauma für jeden Einzelnen ist, ist sehr unterschiedlich.

Die absolute Nummer Eins an Ursachen für eine Angst- und Panikstörung, ist der Tod eines nahen Angehörigen oder einer nahen Bezugsperson. Die ersten Panik  attacken setzen bei Betroffenen oft Wochen bis Monate später ein. Auch eine schwere Erkrankung des Partners oder eines Kindes, Scheidung, Trennung, Autounfälle, stehen im Verdacht Angsterkrankungen hervorzurufen. Meist sind es Ereignisse, denen der Betroffene völlig hilflos gegenübersteht, und die er nicht abwenden kann.

Daraus resultiert oft eine sorgenvolle Selbstbeob-achtung. Die Betroffenen sehen nach ob der eigene Körper vielleicht auch krank ist, denn „es kann ja so schnell gehen“. Die Angstentstehung ist in diesen Fällen eben auch ein klassisches Lernen und Generalisieren. Durch den Tod des Angehörigen wird der Patient zunächst traumatisiert, verliert seine Unbeschwertheit und Lebensfreude und generalisiert das Gefühl, der Körper ist schwach, anfällig, gefährdet für Krankheiten usw. In der Folge kommt es zu einer übergenauen Kontrolle.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Alarmanlage in Ihrem Haus und stellen diese aus Angst vor Einbruch immer schärfer ein. Nun kommt es zu einer gehörigen Menge an Fehlalarmen. Genau das passiert traumatisierten Menschen. Das Unterbewusstsein möchte keine Situation erleben, die mit Hilflosigkeit oder „Ausgeliefertsein“ einhergeht. Erlebte Schicksals  schläge und auch die Schicksalsschläge anderer aus unserem Umfeld, sorgen im Unterbewusstsein für neue Anpassungsstrategien. Das vegetative Nervensystem passt sich an und arbeitet eben wie jene Alarmanlage sehr viel „schärfer“.

Angst und Erwartungsangst bilden einen Teufelskreis. Am Anfang steht eine Wahrnehmung oder ein bewusst werdender zuvor unbewusster Gedanke. Allein dadurch ändern sich verschiedene Körperparameter, wie z. B. die Atmung, der Puls, vegetative Reaktionen wie schwitzen oder frösteln…

Ein unangenehmer Zustand, der kritisch wahr-genommen wird, das Gefühl einer konkreten Gefahr aufkommen lässt und bewusste Ängste auslöst. Diese nun entstandene Angst lässt im Körper eine Alarmreaktion entstehen, die wieder neue, diesmal stärkere körperliche Reaktionen hervorruft. Alleine die Erwartungsangst vor neuen Panikattacken konditioniert Ihr Gehirn bereits auf neue Panikattacken. In diesem andauernden Anspannungszustand reicht der kleinste Stressfaktor, der kleinste unangenehme Gedanke um eine neue Panikattacke entstehen zu lassen. Im Laufe der Zeit entsteht so eine Prägung des Unter-bewusstseins auf diese Panikreaktionen. Alles läuft im Körper in Mustern ab, auch unangenehme Prägungen.

Die einfachste und logischste Strategie gegen diese verschärften Reaktionen Ihres vegetativen Nerven  systems sind neue und bessere Erfahrungen, mit denen Sie die traumatischen Situationen in Ihrem Unterbe  wusstsein überschreiben können. Diese neuen und besseren Erfahrungen können all die sein, die Ihnen ein positives Gefühl von Gesundheit, Lebensfreude und Autonomie bescheren.

Zurück zu den Panikattacken. Ich möchte Ihnen zeigen, dass Sie Ihre Panikattacken selbst stoppen können. Sobald Sie das schaffen, werden die Panikattacken nach und nach seltener werden und letztendlich ganz aus Ihrem Leben verschwinden.

Was können Panikattacken Ihnen antun? Nichts, definitiv. Dass Sie diese vegetativen Überreaktionen haben, zeigt nur, dass Ihr Körper gut funktioniert; dass Herz- und Kreislauf sich wunderbar an alle Gegeben  heiten anpassen können.

Was die häufigsten Befürchtungen der Angst  betroffenen ausmacht, so bekommen Sie hier zunächst einmal Entwarnung:

Sie werden bei Panikattacken nicht umfallen

Angstbetroffene fürchten oft ohnmächtig zu werden. Eine Ohnmacht entsteht aber gemeinhin durch einen Blutdruckabfall. Bei einer Panikattacke haben Sie aber überwiegend einen Blutdruckanstieg und einen Anstieg der Pulsfrequenz. So können Sie nicht wirklich ohnmächtig werden. Auch wird durch die Erregung des „Sympathikus“ eines großen Hirnnervs die Muskulatur des Körpers maximal angespannt. Damit können Sie kämpfen oder flüchten, aber nicht umfallen. Auch der als wirklich schlimm empfundene Schwindel bei einer Panikattacke ist völlig harmlos. Es ist weder ein sogenannter zentraler, also im Gehirn ausgelöster Schwindel, noch ist es ein im Gleichgewichtsorgan ausgelöster Schwindel. Panikschwindel ist ein psycho  gener Schwindel. Oft wird er verursacht durch die starke Anspannung verschiedener Muskeln in der Halswirbelsäule, in denen Nervenrezeptoren sitzen, die für die Raumorientierung zuständig sind. Der Schwindel ist eher eine Starre, ein Schwanken, als ob der Boden sich bewege. Völlig harmlos. Umfallen unmöglich!

Sie bekommen bei Panik keinen Herzinfarkt

Von normal 60-80 Schlägen pro Minute wird bei einer Panikattacke die Pulsfrequenz auf 100 bis 120 Schläge pro Minute ansteigen. Das ist völlig harmlos. Ihr Herz hält wesentlich mehr aus. Auch die sogenannten Extrasystolen, kleine, als „Aussetzer“ empfundene Zusatzschläge des Herzens bei Panikattacken, sind gesundheitlich ohne jede Bedeutung. Sie entstehen durch zu viel Adrenalin, einem Stresshormon im Blut.

Sie werden bei einer Panikattacke nicht ersticken

Das Gefühl, während einer Panikattacke keine Luft zu bekommen, trügt Sie. Da Sie vor Aufregung zu viel geatmet haben, haben Sie einen Sauerstoffüberschuss. Es fehlt Ihnen Stickstoff! Sobald Sie einen Moment in eine Tüte atmen oder mindestens 3x so lange aus­atmen wie einatmen, wird der Lufthunger vergehen. Auch das Gefühl, der Hals sei wie zugeschnürt, ist auf die vegetative Anspannung zurückzuführen und ohne jede gesundheitliche Bedeutung.

Sie können bei Angst auch nicht verrückt werden

Das Gefühl, sich wie in Watte eingepackt zu fühlen (abgespalten, dissoziiert), entsteht durch die immense Reizüberflutung in ihrem Gehirn. Während einer Panikattacke entsteht ein neuronales Feuerwerk an Informationsübermittlung in ihrem Kopf. Das Gehirn blendet dann alles Andere aus. Die Sinnesreize oder das Gefühl der Haut oder die Sensitivität werden heruntergesetzt. Sie spüren plötzlich ihre Arme nicht mehr oder es kribbelt … Das ist ganz harmlos. Durch diese geschilderte Anspannung entstehen auch die Depersonalisationsgefühle, sich selbst so fremd zu empfinden. All diese Entfremdungsgefühle vergehen sofort wieder, sobald die Panik nachlässt. Sie werden auch nicht schizophren oder die Kontrolle über sich verlieren.

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